Call for Papers / Projects

Die Performance der Lecture im Netz
- ein digitales Vortragslabor
Kolloquium, 9. bis 11. Oktober 2009
Kampnagel-Kulturfabrik Hamburg

Bisher wurden wissenschaftliche Vorträge in erster Linie als Texte dokumentiert. Audiovisuelle Archivierung blieb die Ausnahme. Das ändert sich jetzt: Im Internet entstehen erstmals Archive, in denen Vorträge massenhaft als Performances dokumentiert werden. Nun kann man in Sachen Vorlesung oder Tagung nachholen, was man versäumt, oder sieht im Netz, dass man nichts verpasst hat.

Dass Vorträge Performances sind, wird in der wissenschaftlichen Praxis vielfach ausgeblendet. Im Online-Vortragsarchiv ist es dagegen offenkundig – nicht selten in skurriler Weise. Zwischen ‚Infotainment’ und ‚exzellenter’ Selbstdarstellung findet sich manche Antiklimax. Die Verpflichtung zur ‚Performance’ greift erst allmählich und lässt damit zugleich Raum für Experimente: Wo liegen die Potentiale der Digitalisierung des Vortragswesens? Verschieben sich hier Grenzen zwischen wissenschaftlichen, künstlerischen, politischen Diskursen? Entstehen neue Spielarten akademischer und nicht-akademischer Öffentlichkeit?

Aus der Verbindung von Vortrag und Internet entwickeln sich derzeit neue Vortragsformate wie Videoblogs, virtuelle Vorlesungen oder Live-Vortragssettings mit Twitter-Kommentarwand. Wenn Vorträge per Video aus Vorträgen zitieren und Diskussionspartner per Skype zugeschaltet werden, entstehen Hybride zwischen Live-Situation und Dokumentation, in denen auch die Grenzen zwischen Produktion und Rezeption unterlaufen werden. Mit seiner Digitalisierung tritt der Vortrag in sich selbst wieder ein. Und so geht es zwischen Powerpoint und Internet-Archiv immer schon um die Präsentation der Präsentation.

Das Kolloquium will diese Entwicklung im Kontext von Wissens-, Medien- und Performancetheorie diskutieren. Es will aber auch an ihr teilhaben. So bietet die Beschäftigung mit Online-Vortragsarchiven die Chance, sich an manch besonderem Fundstück zu erfreuen. Und neue hybride Vortragsformate lassen sich am Besten erkunden, indem man sie gleich ‚live’ erprobt.

Wenn sich die Formen verändern, in denen Wissen präsentiert und archiviert wird, hat dies Auswirkungen darauf, wie Erkenntnis entsteht und was als Wissen gilt. Im digitalen Vortragslabor ist die Präsentation und Archivierung von Wissen daher immer zugleich Forschung: Welche Evidenztechniken, welche Interaktionsformen und Agenturen werden vom digitalen Vortragswesens gestärkt oder hervorgebracht?

Dies zu erforschen, gelingt am Besten in transdisziplinären Allianzen zwischen (Vortrags)Kunst und Wissenschaft. Das Kolloquium wendet sich daher nicht nur an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern ebenso an Künstlerinnen und Künstler, die mit dem Format des Vortrags in digitalen Settings experimentieren wollen.

Veranstaltet von:

Projekt: Der wissenschaftliche Vortrag und seine digitale Dokumentation und Distribution
VW-Forschungsverbund: Interactive Science, ZMI Uni Gießen

Leitung:
Dr. Sibylle Peters, Projektemacherin zwischen Kunst und Wissenschaft, Kulturwissenschaftlerin, Performerin.

http://www.zmi.uni-giessen.de/projekte/projekt-24.html

Vorschläge für Präsentationen in Form von extended Abstracts (ca. 5000 Zeichen) an sibyllepeters@gmx.de bis 15.3.2009.

Leave a Reply