Beiträge zum Kolloquium über Online-Vorträge

März 10th, 2009

Vom 9. bis zum 11. Oktober 09 findet auf Kampnagel in Hamburg das Kolloquium “Die Performance der Lecture im Netz” statt.

Viele spannende Beiträge sind uns bereits sicher. Mit dabei sind:

Ulrike Bergermann - Professorin für visuelle Medien an der Kunsthochschule Braunschweig,

Armin Chodzinski - Vortragskünstler und Grenzgänger zwischen Kunst und Ökonomie,

Monika Fleischmann und Wolfgang Strauss - die Erfinder von Netzspannung.org,

Henning Lobin - Leiter des Zentrums für Medien und Interaktivität der Uni Gießen,

Stephan Münte-Goussar, Erziehungswissenschaftler, Blogger und kritischer Geist in Sachen E-Bildung und Ökonomie,

Ramon Reichert - Autor von “Amateure im Netz. Selbstmanagement und Wissensmanagement im Web 2.0″,

Marc Scheloske - Wissenschaftsblogger und Betreiber von Wissenschaftscafe.net,

Joshua Sofaer - Vortragskünstler und Performance-Artist aus London,

Boris Traue - Soziologe, TU Berlin,

Kai van Eikels - Philosoph, Autor, Blogger, FU Berlin,

Zentrale Intelligenz Agentur
- Experten für digitales Leben und seine kulturelle Weiterverarbeitung,

Clifford Stoll sagt, worüber er nichts sagt.

Februar 23rd, 2009

Clifford Stoll, ein prominenter und kompromissloser Gegner des ELearnings in all seinen Formen, hat im Rahmen der teuersten Konferenz der digitalisierten Welt TED einen Vortrag gehalten, der derzeit Online-Karriere macht. Dem Professor aus Zurück in die Zukunft wie aus dem Gesicht geschnitten gibt Clifford Stoll eine besonders gelungene Version des zerstreuten Genies. Er spricht - eine Vortragstechnik, die man sich merken sollte - über all das, worüber er gern sprechen würde, aber nicht sprechen wird. Es folgt eine sehenswerte Demonstration zum Thema “Speed of Sound”. Gefunden habe ich das Video im Blog der HardBloggingScientists, in dem sich noch weitere Videos finden, die den Titel Online-Vortrag des Monats verdient haben könnten (siehe insbesondere Adam Savage).

Hybride Vorlesungstechniken zwischen online und offline

Februar 6th, 2009

Neben der Nutzung des Internets als Archiv für audiovisuelle Aufzeichnungen von Vorlesungen entstehen derzeit neue Formen von Vorträgen, in denen Online- und Offline-Techniken kombiniert werden. Ein Beispiel dafür ist die Nutzung von Kommentarwänden: Dabei wird ein Internet-Chat-Fenster in die Live-Vortragssituation neben bzw. hinter den Vortragenden projiziert. An diesem Chat kann sich das Publikum eines Vortrags live, also während des Vortragsgeschehens, beteiligen – entweder mittels im Auditorium vorhandenem W-Lan oder auch mittels SMS/Mobiltelefon. Auf diese Weise können die HörerInnen Fragen zum Vortrag stellen, den Vortrag kommentieren oder durch verschiedene Hinweise ergänzen.

Diese Entwicklung macht vor allem eines deutlich: Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass die gegebene Interaktivität einer Live-Vortragssituation, in der die HörerInnen durch Fragen und Diskussionsbeiträge an den Vortragenden herantreten können, im Zuge der Transposition eines Vortrags ins Netz lediglich annähernd nachgebildet werden kann. Im Gegenteil werden nun genuin netzbasierte Interaktionsformen zum Bestandteil einer Live-Vortragssituation. Dies hat Auswirkungen auf das Verhältnis von Vortragendem und Publikum und auf die Zeitlichkeit des Vortragens selbst: Durch die synchrone Kommentierungsmöglichkeit nimmt das Publikum aktiv an der Präsentation des Vortrags selbst teil. Zum Input durch den Vortragenden tritt potentiell eine Ebene der Selbstverständigung des Publikums über den Vortrag hinzu.

Aus theaterwissenschaftlicher Perspektive lässt sich dies als Nachweis für die These geltend machen, dass sich die spezifische Liveness einer performativen Praxis nicht als feststehende Qualität begreifen lässt, sondern dass sich das, was als Liveness erfahrbar wird, immer wieder verändert und zwar in Abhängigkeit von jeweils wirksamen medialen Realtionen, wie hier der Beziehung zwischen klassischer Vortragsperformance und der entstehenden Vortragskultur des Internets. So wird Liveness im Zuge der Einführung der Internet-Kommentarwand in Vorlesungen im Sinne der Möglichkeit zu direkter Intervention verstärkt und durch die Öffnung einer virtuellen Dimension verändert.

Erstmals eingesetzt wurde die Technik der Kommentarwand m.E. bei der Re:publica-Tagung 2007 und 2008. (Dies in der Video-Dokumentation leider kaum zu sehen, geschweige denn zu lesen.)

Analoge Vorformen dieser Technik finden sich im Bereich der experimentellen Lecture Performance allerdings schon einige Jahre zuvor. So wird in der Lecture-Performance THE ART OF DEMONSTRATION bereits 2005 die Nutzung eines so genannten Skript-Projektors erprobt, der die Live-Kommentierung des Vortrags durch jeweils einen Zuhörer/eine Zuhörerin per projizierter handschriftlicher Notiz erprobt.

Gerade kürzlich hat das medienwissenschaftliche Institut der Universität Trier (namentlich Hans-Jürgen Bucher und Philipp Niemann) die Technik der Chat-Wand erstmalig in die Praxis der universitären Vorlesung an der Universität Trier integriert – mit sehr guten Ergebnisen.

Call for Papers / Projects

Februar 6th, 2009

Die Performance der Lecture im Netz
- ein digitales Vortragslabor
Kolloquium, 9. bis 11. Oktober 2009
Kampnagel-Kulturfabrik Hamburg

Bisher wurden wissenschaftliche Vorträge in erster Linie als Texte dokumentiert. Audiovisuelle Archivierung blieb die Ausnahme. Das ändert sich jetzt: Im Internet entstehen erstmals Archive, in denen Vorträge massenhaft als Performances dokumentiert werden. Nun kann man in Sachen Vorlesung oder Tagung nachholen, was man versäumt, oder sieht im Netz, dass man nichts verpasst hat.

Dass Vorträge Performances sind, wird in der wissenschaftlichen Praxis vielfach ausgeblendet. Im Online-Vortragsarchiv ist es dagegen offenkundig – nicht selten in skurriler Weise. Zwischen ‚Infotainment’ und ‚exzellenter’ Selbstdarstellung findet sich manche Antiklimax. Die Verpflichtung zur ‚Performance’ greift erst allmählich und lässt damit zugleich Raum für Experimente: Wo liegen die Potentiale der Digitalisierung des Vortragswesens? Verschieben sich hier Grenzen zwischen wissenschaftlichen, künstlerischen, politischen Diskursen? Entstehen neue Spielarten akademischer und nicht-akademischer Öffentlichkeit?

Aus der Verbindung von Vortrag und Internet entwickeln sich derzeit neue Vortragsformate wie Videoblogs, virtuelle Vorlesungen oder Live-Vortragssettings mit Twitter-Kommentarwand. Wenn Vorträge per Video aus Vorträgen zitieren und Diskussionspartner per Skype zugeschaltet werden, entstehen Hybride zwischen Live-Situation und Dokumentation, in denen auch die Grenzen zwischen Produktion und Rezeption unterlaufen werden. Mit seiner Digitalisierung tritt der Vortrag in sich selbst wieder ein. Und so geht es zwischen Powerpoint und Internet-Archiv immer schon um die Präsentation der Präsentation.

Das Kolloquium will diese Entwicklung im Kontext von Wissens-, Medien- und Performancetheorie diskutieren. Es will aber auch an ihr teilhaben. So bietet die Beschäftigung mit Online-Vortragsarchiven die Chance, sich an manch besonderem Fundstück zu erfreuen. Und neue hybride Vortragsformate lassen sich am Besten erkunden, indem man sie gleich ‚live’ erprobt.

Wenn sich die Formen verändern, in denen Wissen präsentiert und archiviert wird, hat dies Auswirkungen darauf, wie Erkenntnis entsteht und was als Wissen gilt. Im digitalen Vortragslabor ist die Präsentation und Archivierung von Wissen daher immer zugleich Forschung: Welche Evidenztechniken, welche Interaktionsformen und Agenturen werden vom digitalen Vortragswesens gestärkt oder hervorgebracht?

Dies zu erforschen, gelingt am Besten in transdisziplinären Allianzen zwischen (Vortrags)Kunst und Wissenschaft. Das Kolloquium wendet sich daher nicht nur an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern ebenso an Künstlerinnen und Künstler, die mit dem Format des Vortrags in digitalen Settings experimentieren wollen.

Veranstaltet von:

Projekt: Der wissenschaftliche Vortrag und seine digitale Dokumentation und Distribution
VW-Forschungsverbund: Interactive Science, ZMI Uni Gießen

Leitung:
Dr. Sibylle Peters, Projektemacherin zwischen Kunst und Wissenschaft, Kulturwissenschaftlerin, Performerin.

http://www.zmi.uni-giessen.de/projekte/projekt-24.html

Vorschläge für Präsentationen in Form von extended Abstracts (ca. 5000 Zeichen) an sibyllepeters@gmx.de bis 15.3.2009.

Online-Vorträge des Monats

November 17th, 2008

Sound & Vision in Avantgarde & Mainstream. Vortrag von Prof. Dr. Dieter Daniels.

Eine “Hypermedia-Lecture” auf Netzspannung.org


Joshua Sofaer, Face It – Prognoses on Movement(s)

The Epistemology of Rationalism
Mike Campochiaro auf Youtube

Online-Vorträge: Die Performance der Lecture im Netz

November 17th, 2008

Bisher wurden wissenschaftliche Vorträge in erster Linie als Texte dokumentiert. Audiovisuelle Archivierung blieb die Ausnahme. Das ändert sich: Im Internet entstehen erstmals Archive, in denen Vorträge massenhaft als Performances dokumentiert sind.

Nun kann man in Sachen Vorlesung oder Tagung nachholen, was man versäumt, oder sieht im Netz, dass man nichts verpasst hat. Dass Vorträge Performances sind, wird in der wissenschaftlichen Praxis vielfach ausgeblendet. Im Online-Vortragsarchiv wird es – nicht selten in skurriler Weise – offenkundig. Zwischen ‚Infotainment’ und vermeintlich ‚excellenter’ Selbstdarstellung findet sich manche Antiklimax.
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